Etwas Licht im Grau in Grau

Zwischen dem „Goldenen Oktober“, dem Lichterglanz des Advents und der Weihnachtstage hat der November einen schweren Stand. Er gilt als grau, trübselig, von Nebel und Regen geprägt. Wenn schlechte Laune dem Kalender folgen würde, wäre der November für viele Menschen wohl die erste Wahl.

Dass der Monat mit Allerheiligen und Allerseelen bis hin zum Totensonntag auch noch die Trauertage des Jahres mit sich bringt, macht die Situation nicht einfacher – schon gar nicht für Menschen, die in den vergangenen Monaten einen Verwandten oder Freund verloren haben. Sie ziehen den Kopf zwischen die Schultern und stapfen betrübt durch das Novemberwetter auf den Friedhof. Dort legen sie Blumen nieder, richten vielleicht das Grab für den Winter her, halten inne und blicken zurück. Es ist ein freudloser Gang, der aber mit etwas Glück auf dem Rückweg bereits die Sicht verändert. Denn wer nach dem Besuch eines Grabes über den Friedhof geht, mag feststellen, dass er mit seiner Trauer nicht allein ist. Auch an anderen Gräbern stehen Hinterbliebene. Und der Blick fällt auf die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen Familien die Gräber ihrer Angehörigen schmücken.

Trauer und Andenken sind sehr persönliche Empfindungen. Ihnen Ausdruck zu geben und einen verstorbenen Menschen zu würdigen, kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Ob ein Gesteck aus Tannengrün, ein Windlicht, ein handgeschriebener Gruß oder einfach nur ein stilles Verweilen: Jede dieser Gesten sagt dasselbe – du bist nicht vergessen. Vielleicht ist das die versöhnliche Seite des Novembers. Er nimmt uns den Glanz, damit wir sehen, was bleibt. Und wer den Friedhof an einem grauen Tag ein wenig wärmer verlässt, als er ihn betreten hat, trägt schon ein kleines Licht in den Advent.

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Die Zeit des Rückzugs

Wenn die Blätter sich verfärben und schließlich fallen. Wenn der Wind auffrischt und „alles Alte“ kraftvoll wegpustet. Wenn die Eichhörnchen noch eilig ihre Vorräte für den Winter aufstocken.
Wenn die Kraniche am Himmel Formationen bilden und laut kreischend in den Süden fliegen.

Der Herbst ist die Zeit des Rückzugs. Die Natur hat in der Sommersonne Kraft getankt und zieht sich gut genährt zurück. Auch wir Menschen spüren, dass es nun gemütlicher werden darf. Der Tee schmeckt besser, die Bettdecke wird dicker, die Abende zu Hause werden wieder länger.

Es ist eine Zeit des Innehaltens und Resümierens. Was haben wir bisher in diesem Jahr gemacht? Was war uns besonders wichtig? Haben wir etwas Gutes getan ¬– ob für bestimmte Menschen, für die Allgemeinheit, für den Frieden oder für ein soziales Projekt?

Welche Begegnungen waren für uns nachhaltig beeindruckend? Welchen Menschen möchten wir uns in Zukunft mehr zuwenden, weil sie uns guttun – und mit wem war der Kontakt weniger wohltuend?  

Es geht um die Fragestellung, ob unsere Gedanken und Handlungen mit unseren Werten übereinstimmen. Denn im Herbst sollten wir uns im Einklang mit uns selbst fühlen. Ebenso wie die Natur: gestärkt von warmen Sonnenstrahlen und gut genährt von dem, was wir erlebt haben.


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