Schweigen ist der falsche Weg
Es gibt Phasen, in denen wir nicht genau wissen, woran wir gerade sind. Ist nach Karneval schon Frühling oder ist Ostern noch gefühlt Winter? Sind wir wirklich verliebt oder nur ein wenig verknallt? Sind wir satt oder ist nicht doch noch Platz für eine kleine Portion dieses unwiderstehlichen Schokoladeneises? „Schwierig, schwierig“, möchte man meinen – obwohl das am Ende nur die sprichwörtlichen „Luxusprobleme“ sind.
Ungeklärte Situationen können wesentlich tiefergehend sein. Wenn der Haussegen schiefhängt und Familienmitglieder kaum noch oder gar nicht mehr miteinander sprechen, ist der Schritt zur Versöhnung oft schwer. Unter Umständen wird er verzögert, keine Partei möchte den ersten Schritt machen oder alle Seiten fühlen sich missverstanden und schlecht behandelt. Schließlich kommt vielleicht sogar der Moment, an dem es keinen Weg zurück zueinander zu geben scheint.
Aber das Leben wartet nicht. Jede Familie nimmt irgendwann Abschied, vielleicht von Opa, Oma oder einem Elternteil. Wenn Geschwister miteinander Streit haben, können sie – mit etwas Glück – eine Abschiedsfeier zum Anlass der Versöhnung nehmen. Dem verstorbenen Familienmitglied, das sicherlich unter dem Familienzwist gelitten hat, können sie damit aber nicht mehr helfen.
Noch schwerer ist die Situation, wenn ein Abschied bedeutet, dass es keine Gelegenheit mehr geben wird, um einen Streit zu beenden. Dann herrscht beim Blick zurück nicht nur Traurigkeit, sondern gleichzeitig die Gewissheit, eine unwiederbringliche Chance nicht genutzt zu haben.
Festgefahrene Konflikte können schneller als erwartet enden. Lassen Sie es also nicht so weit kommen. Neutrale Unterstützung bieten sogenannte Familienmediatoren. Sie helfen dabei, den Weg zurück in den Dialog zu öffnen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Bundesverbands MEDIATION e.V.: www.bmev.de
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