Zeit für neue Ziele
Langsam scheint sich die – oft anstrengende – Hitze des Sommers zu legen. Ein Hauch von Entspannung kehrt ein, der für viele Menschen leider zu spät kommt, da die Ferienzeit bereits vorüber ist. Dennoch: Laue Spätsommer- und Herbsttage sind ein Genuss. Wer dann gedankenverloren gen Himmel blickt, sieht bald die ersten Vogelschwärme, die sich auf den Weg in ihre winterlichen Quartiere machen.
Die Natur ist in Bewegung. Was vorüber ist, lässt sich nicht zurückholen. Das gilt auch für unser Leben. Wer zurückschaut, erinnert sich an schöne Stunden ebenso wie an bedauerliche oder traurige Momente.
So wie die Vögel nun beginnen, Nord- und Mitteleuropa „Adieu“ zu sagen, müssen auch wir von manchem Abschied nehmen, das unser Leben geprägt hat. Aber Abschied, so zeigt es die Natur, kann auch Bewegung und Fortschreiten sein. Die Vögel, die im September aufbrechen, sind nicht für immer fort: Sie folgen einem Weg, der sie – wenn die Zeit reif ist – wieder zurückführt.
Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen müssen, der uns wichtig war, der uns lange begleitet hat und den wir geliebt haben, können wir nicht einfach weitergehen oder in wärmere Gefilde ziehen. Die Vögel können uns dabei kein Vorbild sein. Doch ihr Flug kann zu einem tröstlichen Bild werden und Hinterbliebenen Mut machen, nach einer schmerzlichen Phase aufzustehen und wieder flügge zu werden.
Wer in diesen Tagen einen Vogelzug beobachtet, dem mag auffallen, wie wenig Eile in ihrer Reise liegt. „Gut Ding will Weile haben“ lautet das Sprichwort. Dieser Gedanke lässt sich auf die Trauer übertragen. Hinterbliebene dürfen sich die Zeit nehmen, die sie brauchen, um allmählich wieder ins Leben zurückzufinden – begleitet von liebevollen Erinnerungen.
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