Nichts für Feiglinge?
Manchmal, wenn man mit alten Menschen spricht, wird einem bewusst, wie tapfer sie sind. Wie fühlt sich das an, wenn man weiß, dass das Leben nicht mehr lange dauern wird? Wenn „nicht mehr viel geht“, körperliche Einschränkungen und Schmerzen ständige Begleiter sind, wenn der Radius immer kleiner wird und wenn man weiß, dass keine Besserung mehr zu erwarten ist – wie lebt es sich damit?
„Altwerden ist nichts für Feiglinge“ – so lautet der Titel eines Buches von Joachim Fuchsberger, in dem er von seinen Erfahrungen mit dem Älterwerden erzählte. Wenn die Blüte des Lebens langsam dahinwelkt, dann wird es irgendwann Zeit, sich mit dem Unvermeidbaren auseinander zu setzen, so formulierte er es sinngemäß.
Das Unvermeidbare ist, zu altern, schwächer zu werden und schließlich zu sterben.
Das steht uns allen bevor. Mit diesem Bewusstsein Frieden zu schließen und nicht zu hadern, nicht zu jammern, das scheint die große Kunst zu sein. Viele Menschen beschäftigen sich am Ende des Lebens mit der Frage, ob sie rückblickend „ja“ sagen und mit allem einverstanden sind. Ob sie alle Chancen genutzt haben, vielleicht irgendetwas unerfüllt blieb und schmerzlich fehlt.
In dieser Phase kann es hilfreich sein, Resümee zu ziehen und wichtige Erkenntnisse aus dem Leben aufzuschreiben. Welche Erfahrungen man weitergeben möchte, was einen im Leben am meisten glücklich gemacht hat, welche Entscheidungen richtig oder falsch waren. Sich das von der Seele zu schreiben, kann sehr entlastend wirken und gleichzeitig zu dem wohl wichtigsten Vermächtnis für die Hinterbliebenen werden.
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